Nachdem das Modul zur Ernährungsbildung in der Erzieher:innen-Ausbildung Anfang des Jahres gemeinsam mit dem Erzbischöflichen Berufskolleg Köln in verschiedenen Unterrichtseinheiten erprobt wurde, gab es noch eine abschließende Exkursion zum Umweltbildungsort Gertrudenhof. Dabei sollten die Inhalte der Seminare nochmals praxisnah thematisiert werden. Als Spezialistinnen für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) gaben uns Annika und Nicole tiefe Einblicke in die Praktiken und Herausforderungen der regionalen Landwirtschaft.

Nachhaltige Ernährung erleben – Lernen mit allen Sinnen auf dem Bauernhof

Unter dem Motto „Vom Feld auf den Teller“ sollte der Bauernhof als Außerschulischer Lernort die tollen Bedingungen für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) aufzeigen. Für angehende Erzieher:innen ist das von besonderem Interesse, da sie diesen auch mit ihren Kindern besuchen können. Hier erleben Kinder Natur und Tiere unmittelbar: Sie sehen, wie Pflanzen gesät, gepflegt und geerntet werden, und wie Tiere gehalten werden. So erfahren sie, woher unser Essen kommt.

Eine praxisnahe Hofführung mit verschiedenen Aktionen

Los ging es mit einer thematischen Einführung unter einer Sattelplane auf dem Feld zwischen Schafen, Pferden und Lamas – und mittendrin der Frage:
„Was bedeutet für euch nachhaltige Landwirtschaft?“

Die Antworten reichten von Glück über Regionalität bis hin zu geschlossenen Kreisläufen. Genau diese Themen begleiteten uns im weiteren Verlauf. Bei der anschließenden Hofführung drehte sich alles um den Weg der Lebensmittel vom Feld (oder Stall) auf den Teller – exemplarisch an Kartoffeln und Eiern.

Vom Feld auf den Teller – eine Hofführung mit vielen Stationen

  • Erste Station: der Hühnerstall. Hier erfuhren die Teilnehmenden die Unterschiede zwischen Boden-, Freiland- und Biohaltung. Eine spannende Diskussion entwickelte sich rund um Tierwohl, Fütterung und Ei-Qualität.

  • Zweite Station: das Kartoffelfeld. Die Studierenden durften selbst zur Harke greifen und Kartoffeln ernten – eine Tätigkeit, die sich wunderbar mit Kindern umsetzen lässt.

Dazu gab es spannende Einblicke in den Umgang mit Schädlingen in der Landwirtschaft, und es wurden beim Anblick des ausgetrockneten Bodens die Folgen des Klimawandels deutlich.

  • Dritte Station: Die Kartoffelsortiermaschine. Hier gab es einen eindrucksvollen technischen Einblick in die Weiterverarbeitung der Kartoffel. Im angrenzenden Hofladen wurde außerdem gezeigt, welche Produkte direkt verkauft, weiterverarbeitet oder aussortiert werden. Und wohin mit Letzterem?

Die Studierenden sahen, dass das, was für Menschen nicht mehr essbar ist entweder zu Tierfutter verarbeitet wird, oder als Biomüll in der Biogasanlage zur Energiegewinnung landet.

  • Vierte Station: Lebensmittelverwertung. Besonders anschaulich wurde dies bei der Aktion, Gemüse in drei Kategorien zu sortieren.

    Die Studierenden ordneten das aussortierte Gemüse drei Kategorien zu: 1. Noch essbar für den Menschen, 2. geeignet als Tierfutter, 3. für den Biomüll.

Diese einfache, handlungsorientierte Aufgabe lässt sich wunderbar mit Kindern umsetzen: Sie lernen, genau hinzusehen, Unterschiede wahrzunehmen und eigene Entscheidungen zu treffen. Ganz nebenbei wird ein wichtiges Thema erfahrbar: Wie gehen wir mit Lebensmitteln um, die nicht perfekt aussehen?

  • Fünfte und letzte Station: Hühnerfutter herstellen und Hühner füttern. Ein echtes Highlight war die Herstellung von eigenem Hühnerfutter – aus geschnittenem Gemüse und Getreide – und das anschließende Füttern der Tiere. Für Kinder ist das eine unmittelbare, sinnliche Erfahrung, bei der sie Verantwortung übernehmen und gleichzeitig den Kreislauf von Futter, Tier und Lebensmittel begreifen.

Praxisleitfaden

Neben dem Erleben von Nachhaltigkeitsbildung, war der Ausflug auch auf den Praxisleitfaden abgestimmt. Der Praxisleitfaden ist eine Schritt für Schritt Anleitung für Praxisprojekte im Bereich der Ernährungsbildung. Sie wurde im Rahmen des Projekts PröBiErs entwickelt und ist auf den Kita Alltag abgestimmt. Der Leitfaden enthält Aktionen, beispielsweise einem Parkour nach dem Motto „Vom Feld auf den Teller“, die denen der Exkursion ähneln. Sie können aber auch in der eigenen Tageseinrichtung durchgeführt werden. Daher ist er auch für die Auszubildenden interessant und war der Abschluss der Exkursion und damit des Curricularen Moduls.

Mehr Infos zum Praxisleitfaden >> Praxisleitfaden

Fazit und Danksagung

Der Tag zeigte eindrucksvoll, was für ein komplexes, aber praxisnahes Thema nachhaltige Landwirtschaft ist. Dadurch eignet es sich besonders gut in der Erlebnispädagogik, um es als gemeinsames Abenteuer mit Kindern zu entdecken. Durch direkte Erfahrungen wie dem Ernten von Kartoffeln und Füttern von Hühnern, wird das Wissen lebendig und bleibt dadurch besser im Gedächtnis.

Wir möchten uns herzlich für die tolle Zusammenarbeit mit dem Erzbischöflichen Berufskolleg Köln und insbesondere den Kursteilnehmenden und der Lehrerin des Fachs „Ökologische Bildung“ danken. Durch Euch haben wir einen guten Einblick in die Berufsausbildung von Erzieher:innen und ein Verständnis für die Durchführbarkeit eines solchen Moduls bekommen. Auch dem Gertrudenhof danken wir für die gelungene Kooperation.

Fotos: Ernährungsrat für Köln und Umgebung e.V.

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